Fire „Best Alpine Crossings“

Es ist Ende November, Andy unser Pilot hat angerufen, voraussichtlich in drei Tagen könnte das große Abenteuer beginnen. Dann die erlösende Nachricht, morgen geht’s los.

In der Nacht träume ich von der Ballonfahrt. Die Alpen sind bereits überquert und wir bereiten uns auf die Landung vor, ich sehe Venedig und den Markusplatz.

Dunkel ist es noch, als wir von Innsbruck aus, Richtung oberes Inntal aufbrechen. Die Höhenströmung kommt heute aus nordwestlicher Richtung, mit dem Kaffee am Markusplatz wird nichts werden. Viel weiter östlich werden wir landen, vielleicht bei Udine oder etwa erst bei Triest.

Am Startplatz Locherboden sind vier weitere Ballonteams, teils von weit her, eingetroffen. Die seltene Gelegenheit gilt es zu nutzen. Schon bald beginnen die Brenner zu fauchen und die bunten Hüllen erheben sich, ein beschaulicher Anblick. Und dann, Punkt acht Uhr heben wir gemeinsam ab, so vereinbart mit der Flugsicherung in Innsbruck. Ganz langsam gleiten wir im sanften Morgenwind über das Inntal gegen Süden. Lautstark und mächtig züngeln die Flammen des Brenners in die Hülle, wir schreien „Fire up“, und wir gewinnen sehr schnell an Höhe. Die Flugsicherung erlaubt uns höher zu steigen. Die Landschaft unter uns wirkt immer kleiner, die verschneiten Berge kontrastieren mit den grün-braunen Tälern. Um unliebsame Begegnungen mit anderen Luftfahrzeugen zu verhindern, haben wir einen Transponder an Bord, der unsere Position an die Flugsicherung übermittelt. Ab einer Höhe von 3.800 Metern atmen wir künstlichen Sauerstoff über eine Maske. Das Steigen geht immer weiter und die Strömungsgeschwindigkeit nimmt zu. Der Höhenmesser zeigt 5.810 Meter an und der GPS-Empfänger eine Fahrt von 105 Stundenkilometer. Die Temperatur beträgt „milde“ -13°C, die wir als gar nicht kalt empfinden, da wir mit dem Wind fahren und von der Sonne gewärmt werden. Die Aussicht ist überwältigend, rechts die Stubaier Alpen und die Ötztaler Alpen, links die Zillertaler Alpen. Andy lässt den Ballon langsam kreisen, während wir den Brennerpass überqueren und uns bei der italienischen Flugsicherung anmelden. Die Fernsicht aus dieser Höhe ist unglaublich und wir erkennen viele bekannte Gipfel. Den Langkofel rechts, dann die Drei Zinnen links vor uns Cortina d’Ampezzo mit der Tofana und in der Ferne reflektiert bereits das Wasser der Adria rötliches Licht zum Himmel. Andy hat jetzt Funkkontakt mit dem Flughafen in Aviano und kündigt unsere Landung an. Abrupt enden die Venezianer Alpen und wir schweben, jetzt in geringer Höhe, über Wiesen und Felder in Richtung Lignano. Er erkennt einen perfekten Landeplatz, ein trockenes Feld, nahe einer Straße, perfekt für den Rücktransport. Sanft setzen wir nach fast drei Stunden und 190 Kilometern Luftfahrt auf. Zwei Stunden später kommt unser Abholdienst. Gemeinsam verstauen wir den Korb und die Ballonhülle am Anhänger.

Ein großes Abenteuer liegt hinter uns und bei einem Glas venezianischem Wein und Fire im Kaminofen schwelgen wir in Erinnerung und sind dankbar für dieses Erlebnis.